Strategie Bericht Q1 2023

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Kapitalmarktrück- und Ausblick

Im ersten Quartal 2023 blieben die Kapitalmärkte volatil, ohne eine eindeutige Richtung erkennen zu lassen. Investoren waren hin- und hergerissen zwischen der Hoffnung auf ein Soft-Landing und der Besorgnis über eine potenzielle Rezession infolge der Zinserhöhungen der Zentralbanken. Auch wenn die Kurse am Quartalsende höher stehen ist nicht sicher ob es sich nur um eine kurzfristige Gegenbewegung oder einen nachhaltigen Erholungen handelt.

Ein Schock für die Finanzwelt ereignete sich am 10. März 2023 mit dem Kollaps der Silicon Valley Bank (SVB), ausgelöst durch eine Art modernen Bank-Run. Die SVB war eine der prominentesten Banken im Technologiebereich und versorgte viele US-amerikanischen Technologie- und Biotechnologie Startups mit Bankdienstleistungen. Die Bank hatte für kurzfristige Einlagen langfristige Staatsanleihen erworben, deren Wert durch Zinserhöhungen von 0 auf nahezu 5% stark gesunken war. Dies stellt einen entscheidenden Unterschied zur Finanzkrise 2008 dar, als wertlose Papiere in den Bankbilanzen aufgeführt waren. Diesmal handelte es sich um nahezu ausfallsichere US-Staatsanleihen, die bei Fälligkeit zu 100% des Werts zurückgezahlt werden. Die Reaktion der Federal Reserve (FED) war schnell und richtig. Indem sie den Banken gestattete, Anleihen zum Nominalwert zu hinterlegen und kurzfristig Kapital zu leihen, wurde eine Ansteckung auf weitere Regionalbanken verhindert. Folglich handelte es sich nicht um eine Bankenkrise, sondern um eine Vertrauenskrise, ausgelöst durch massenpsychologische Fehleinschätzungen.

Ein weiteres Beben im Bankensektor löste die Credit Suisse aus, die nach einem Jahrzehnt von Skandalen und Missmanagement ebenfalls Opfer der Vertrauenskrise wurde. Ein ähnliches Phänomen wie bei der SVB trat auf: der Abzug von Einlagen. Die Schweizerische Nationalbank und die Aufsichtsbehörden reagierte ebenfalls entschlossen und klug, indem sie quasi im letzten Moment eine Zwangshochzeit mit der Konkurrentin UBS organisierten.

Im Kontext der Turbulenzen im Bankensektor kam es zu einem massiven Rückgang der Anleiherenditen, als Anleger in sichere Anlageformen flüchteten. Der Anleihemarkt geht davon aus, dass im Falle einer Rezession die Inflation stark zurückgehen und anschließende Zinssenkungen seitens der FED erforderlich sein werden, um die Wirtschaft zu stützen.

Die Inflation ist zwar rückläufig, doch die Kerninflation verharrt auf hohem Niveau. Der Rückgang begann in den USA früher und ist weiter fortgeschritten als in Europa, das von Energieimporten abhängig ist. Doch auch in Europe sind Fortschritte in der Inflationsbekämpfung nun zu spüren. In Spanien sank die Inflationsrate sogar auf 3,3%. Da die Hälfte der ölfördernden Länder kürzlich beschlossen hat, ihre Produktion zu drosseln, ist mittelfristig mit steigenden Energiepreisen und zumindest einer Verringerung des Inflationsrückgangs zu rechnen.

Die zentrale Frage ist, ob es den Zentralbanken gelingen wird die Inflation auf das Vorkrisenniveau zu drücken und gleichzeitig eine Rezession zu vermeiden. Die invertierte Zinskurve als Indikator spricht dagegen. Eine invertierte Zinskurve bedeutet, dass kurzfristige Zinsen höher sind als langfristige Zinsen. Dies stellt ein Warnsignal für Anleger dar, dass eine Rezession bevorstehen könnte. Die Zinskurve hat vor jeder Rezession seit 1955 invertiert, wobei eine Rezession zwischen sechs und 24 Monaten darauffolgte. Der äußerst robuste Arbeitsmarkt spricht jedoch für eine anhaltende Konsumnachfrage und eine stabile Wirtschaftslage. Zudem ist Rezession nicht gleich Rezession: Zwei aufeinanderfolgende Quartale mit negativen rückläufigem Bruttoinlandsprodukt ergeben zwar technisch eine Rezession, würde die Aktienmärkte aber wahrscheinlich nicht mehr auf die Tiefststände vom Oktober 2022 fallen lassen.

Für Europa kommen noch externe Einflussfaktoren hinzu, wie beispielsweise die geopolitische Situation und die Handelsbeziehungen zwischen China und den USA. Jüngst haben die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) die Absicht bekundet, ihre Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren und Rohstoffgeschäfte künftig in den eigenen Währungen abzuwickeln.

Der Immobilienmarkt hat in den letzten Monaten eine spürbare Veränderung erfahren, hauptsächlich bedingt durch stark gestiegene Zinsen und den Homeoffice-Trend. Die höheren Zinsen haben den Bau neuer Immobilien weniger attraktiv gemacht und die Mietrendite durch erhöhte Zinsbelastung beeinträchtigt. Diese Faktoren haben zu einem Rückgang der Transaktionen und fallenden Immobilienpreisen geführt. Zudem hat die zunehmende Verlagerung ins Homeoffice den Leerstand bei Büroimmobilien erhöht, was zusätzlichen Druck auf Vermietungs- und Verkaufspreise ausübt. Insgesamt durchläuft der Markt derzeit eine Anpassungsphase, in der langfristige Entwicklungen und Reaktionen auf diese Veränderungen noch abzuwarten sind.

Angesichts dieser komplexen und unsicheren Lage ist es für Anleger von entscheidender Bedeutung, die Entwicklungen an den Märkten genau zu beobachten und ihre Anlagestrategien entsprechend anzupassen. In diesen turbulenten Zeiten ist es ratsam, ein diversifiziertes Portfolio aufrechtzuerhalten, um mögliche Risiken zu minimieren und Chancen an den Märkten zu nutzen. Eine gründliche Analyse der wirtschaftlichen Indikatoren und eine sorgfältige Bewertung der politischen und geopolitischen Entwicklungen sind erforderlich, um fundierte Anlageentscheidungen zu treffen und langfristig erfolgreich zu sein.

Strategierück- und Ausblick

Im ersten Quartal 2023 haben wir lediglich eine Veränderung im Portfolio vorgenommen. In Anbetracht unserer Erwartungen bezüglich eines absehbaren Endes oder einer Verlangsamung der Zinsschritte der Europäischen Zentralbank (EZB) sind wir der Ansicht, dass nun der Zeitpunkt gekommen ist Anleihen wieder stärker im Portfolio zu gewichten. Daher haben wir den Geldmarktfonds DWS ESG Money Market gegen den dynamischeren Rentenfonds Flossbach von Storch Bond Opportunities ausgetauscht. Dieser Fonds investiert in globale Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten und Bonitäten und bietet eine höhere Rendite bei moderatem Risiko.

Die volatile Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten im ersten Quartal 2023 hat unsere Strategie nur bedingt mitgetragen, da der aktuellen Erholung die Marktbreite fehlt. Die im Vorjahr abgestraften Titel, insbesondere aus dem US-Technologiesektor, waren die Gewinner dieses Quartals. Die Performance wurde jedoch stärker von einer Ausweitung der Bewertungen aufgrund der Hoffnung auf ein Ende der Zinserhöhungen, als von steigenden Gewinnerwartungen getrieben. Daher halten wir an unserer diversifizierten Auswahl von Faktorindizes auch bei einer kurzfristigen Underperformance fest.

Der Sektor für neue Energien entwickelte sich äußerst positiv, da er von der wachsenden Nachfrage nach umweltfreundlichen Lösungen profitierte. Wir sehen hier noch erheblichen Raum für Innovation und Wertschöpfung.

Die verzinslichen Papiere leisteten ebenfalls einen positiven Beitrag, begünstigt durch das allgemeine Zinsniveau und den Rückgang der Anleiherenditen. Die Goldposition konnte im Zuge der Bankenkrise zulegen und diente als Absicherung gegen mögliche Turbulenzen.

Unsere Investitionsreserve erzielt eine positive Rendite von aktuell 2,7% p.a. mit steigender Tendenz. Diese Reserve nutzen wir, um flexibel auf Marktchancen zu reagieren und unser Portfolio zu optimieren.

Ein negativer Faktor war die Abwertung des US-Dollars gegenüber dem Euro, die uns Euro-Anlegern etwa 2,5% Performance gekostet hat.

Im ersten Quartal 2023 konnten wir eine solide Performance erzielen, die unsere langfristige Anlagephilosophie bestätigt. Wir sind überzeugt, dass wir mit unserer ausgewogenen Mischung aus Aktien, Anleihen, alternativen Anlagen und einer Investitionsreserve gut aufgestellt sind, um von den sich bietenden Chancen zu profitieren und gleichzeitig die Risiken zu begrenzen.

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